Meine ersten Tage in Bolivien

Es hätte nicht besser anfangen können. Timon, einer der anderen Freiwilligen aus Deutschland, hat schon auf dem Weg von Berlin zum Frankfurter Flughafen im Zug sein Handy vergessen. Doch das war nicht genug, auch ich trug meinen Beitrag dazu bei, dass am ersten Tag unserer Reise schon so einiges schief lief. Denn ich Depp vergaß einfach mal an der Sicherheitskontrolle in Frankfurt mein Bordcase mitzunehmen und dass fiel mir dann auch erst beim Betreten des Flugzeugs auf. Zum Glück konnte ich noch Papa anrufen, der dann meinen Koffer in Frankfurt abholte. Noch schlimmer wurdes es, als in Madrid Lorena auffiel, dass sie ihren Reisepass nicht mehr hatte. Es wurde alles probiert, doch schlussendlich musste sie 2 Tage in Madrid bleiben, sich einen vorläufigen Reisepass in der Botschaft besorgen und konnte dann erst nach Santa Cruz fliegen...
Bei allen anderen klappte alles und jeder konnte nach dem 11stündigen Flug sein Gepäck entgegen nehmen. Nach gefühlten 2 Stunden und 100% Luftfeuchtigkeit um 6 Uhr morgens in der Einreise- und Sicherheitskontrolle konnten wir dann erstmals raus aus dem Flughafen und bolivianische Luft schnuppern und wurden direkt von Fernando Fernandez unserem Koordinator in Bolivien begrüßt.
Weiter ging es dann mit 2 Bussen zu unserem Seminarhaus am Rande von Santa Cruz de la Sierra, vorher aber mussten wir alle unser Gepäck auf dem Dach der Busse festschnallen, was dazu führte, dass Einige mit besorgten Blicken in den Bus stiegen.
Angekommen am Seminarhaus ging es für mich erstmal schnurstracks unter die Dusche, denn in Santa Cruz schwitzt man schon, wenn man einfach nur atmet. Danach gab es Frühstück und viele gingen noch einmal für ein paar Stunden schlafen, bevor es dann das Mittagessen gab: Hühnchen mit Reis und Kartoffeln, und das gabs bei jedem Essen in verschiedensten Versionen...
Nachdem Essen spielten wir dann mit 2 Jungs aus dem Dorf Fussball, der eine hieß Junior und bei dem anderen waren wir uns nicht sicher, ein Paar dachten, er heißt Hermann, andere dachten Hermano gehört zu haben, ich jedoch glaubte, dass er Hermando heißt. Egal, was die Hauptsache war, sie konnten Fussball spielen und das richtig gut, verteilten den ein oder anderen Tunnler an die anderen Freiwilligen, ich blieb verschont bis zum Ende des Seminar und verteilte lieber selber ein paar Tunnler.
Denn am darauffolgenden Tag spielten wir wiedermals Fussball, 5 vs. 5. Dieses Mal aber die Freiwilligen gegen die Jungs aus dem Dorf, eine Mannschaft aus Jung und "Alt", der Älteste und Einer der Jüngeren hatten es ziemlich gut drauf Tunnler zu verteilen, was unsere Mädchen öfters mal zu spüren bekommen. Aber auch die Jungs bekamen mit, dass die Deutschen ganz gut spielen können und nicht nur die Jungs, denn Jelka machte das eine oder andere Mal die Jungs ziemlich nass und zeigte ihnen, dass auch Mädchen sehr gut Fussball spielen können. Am Ende gewannen wir das Spiel, als "das nächste Tor entscheidet" ausgerufen wurde, denn nach einer schöner Kombination unserer Mannschaft konnte ich nach Moritz' Flanke den Ball per Kopf im Tor versenken.
An unserem letzten gemeinsamen Abend in Santa Cruz tranken wir dann alle zsm. Chufly, Bolvianischer Schnaps mit Sprite und einer Zitrone, und Rotwein, hörten Musik und unterhielten uns mit den Bolivianischen Koordinatoren aus Santa Cruz, Sucre, Tarija und La Paz.
Am nächsten Tag, dem Freitag bekamm ich dann auch endlich Bescheid, darüber dass ich in La Paz in einer Gastfamilie leben werde, Näheres gibt es später im Text. Nachmittags ging es dann mit allen, die nicht in Santa Cruz bleiben, zum Busbahnhof. 17 Stunden Busfahrt von Santa Cruz nach La Paz, da würden viele kotzen, das war auch mein erster Gedanke, doch nachdem ich das erste Mal das Innere des Busses gesehen habe, wusste ich, dass die Fahrt nicht so schlimm wird. Denn unser Reisebus hatte nur eine 3er Sitzreihe und schön breite Sessel, wie aus der Businessclass. Außerdem lief am Anfang der Fahrt auch ein Film, womit schon einmal die ersten Stunden nicht langweilig wurden und kurz nachdem Film schliefen wir alle dann auch schnell ein. Beim Aufwachen, begrüßte uns dann auch schon die schöne Landschaft Boliviens, das Atiplano, eine Hochebene. 
Und dann sind wir auch schon um 9 Uhr morgens in La Paz am Busbahnhof angekommen. Der Weg nach La Paz führte durch das 4000m hohe El Alto, weswegen uns schon am Morgen direkt das erste Mal ein wunderschöner Blick über La Paz vergönnt war. Dann ging es zu Anne, unserer Regionalkoordinatorin von La Paz, nachhause und von dort aus direkt zu meiner Gastfamilie, die ungefähr 10 Min von Anne entfernt wohnt.
Meine Gastfamilie, das sind Herman, 66, und Gloria, 67, und ihre 4 Söhne Alvaro, Rudolfo, Fabian und Juan Alberto, wobei Alberto in Argentinien lebt mit seiner Frau und seiner Tochter. Rudolfo ist mit einer Holländerin verheiratet und die meine ich, Ella heißt, beide haben eine Tochter Mila und eine Tochter von Rudolfo, die Natalie heißt, bin mir aber auch da mit dem Namen noch nicht so sicher. Zur Zeit ist auch Ella's Cousine Ulla zu Besuch und wird für ein halbes Jahr in Bolivien bleiben. Außerdem ist Ella schwanger und erwartet ein Kind. Alvaro hat noch keine Frau und ist glaube ich, der Jüngste der 4 Söhne und ist Anfang 30. Fabian ist mit Berusca verheiratet und hat mir ihr 2 Töchter. Auf jeden Fall sind alle total nett zu mir und freuen sich, dass ich hier bin. Herman und Gloria wollen auch ein bisschen Deutsch lernen und haben mich direkt beim Mittagessen gefragt, was denn Pollo auf Deutsch heißt, doch Hühnchen war ein bisschen zu schwer für den Anfang, da ziemlich lustige Versionen beim Aussprechen rauskamen.
Ich liege nun in meinem Bett und stehe kurz vor meiner ersten Nacht in meinem neuen Zuhause... Ich möchte mich nochmal bedanken für alle Freunde und Familie, die an meinem letzten Wochenende in Mainz nochmal bei mir waren, um sich von mir zu verabschieden. Ich werde euch alle sehr vermissen und ich hoffe, dass ich euch so viel wie möglich von Südamerika, aber vorallem von Bolivien näherbringen kann. Und den ein oder anderen dazu bringen kann vielleicht auch mal ein FSJ im Ausland zu machen oder einfach mal hierher zu reisen. Es wird ein sehr spannendes Jahr für mich mit vielen Erfahrungen, neuen Erkenntnissen, tollen Menschen, Höhen und Tiefen. Ich bin gespannt und aufgeregt, was mich noch alles erwarten wird. Langweilig wird es hier bestimmt nie... 

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Kommentare: 3
  • #1

    Tom (Dienstag, 15 September 2015 12:43)

    Na das ist ja ein erster toller bericht

  • #2

    Mama (Dienstag, 15 September 2015 21:32)

    Es hat mir sehr viel Spaß gemacht deine Zeilen zu lesen. Ich freue mich schon auf mehr.
    Suchtpotential. Kuss

  • #3

    Barbara (Dienstag, 15 September 2015 23:01)

    Hört sich ja alles spannend an und macht Lust darauf, mehr zu hören......bleib am Ball und Berichte weiter :)) dein Tantchen und ein dicker Drücker an dich